KI-gestütztes Wissensmanagement im Customer Service

Wirtschaftlicher Nutzen, technische Möglichkeiten und Stolpersteine mit Microsoft Dynamics

KI im Customer Service bedeutet heute mehr als eine intelligente Suche. Mit den aktuellen Agenten in Microsoft Dynamics Customer Service wird die KI zum aktiven Bestandteil des Serviceprozesses: im Gespräch, bei der Case-Erstellung und beim Aufbau von Wissen.

Die Kernidee: KI beobachtet Live-Gespräche, Chats und E-Mails, erkennt Muster, kategorisiert Anliegen und generiert automatisch Vorschläge, bis hin zu vollständigen Wissensartikeln.

Dieser Reality Check bewertet drei konkrete KI-Agenten aus Projektsicht, mit Fokus auf technische Möglichkeiten, praktische Wirkung im Alltag und klare Grenzen:

  1. Customer Intent Agent
  2. Case Management Agent
  3. Knowledge Management Agent

Tipp: In unserem nächsten Webinar zeigen wir live, wie die 3 Agents performen und beantworten direkt Ihre Fragen zu dem Thema.

1. Customer Intent Agent: Unterstützung im laufenden Gespräch

Der Customer Intent Agent analysiert Telefonate, Chats oder E-Mails in Echtzeit. Er versucht, die Absicht des Kunden zu erkennen, klassifiziert sie in sogenannte Intent-Gruppen und schlägt passende Folgefragen oder Lösungsansätze vor.

Technisch passiert Folgendes:

  • Das Gespräch wird transkribiert.
  • Die Anfrage wird einer Kategorie zugeordnet.
  • Der Agent schlägt strukturierte nächste Schritte vor.
  • Bei Bedarf werden vorhandene Wissensartikel einbezogen.

Für Servicemitarbeitende entsteht daraus ein dynamischer Gesprächsleitfaden.

Praxisnutzen:

  • Strukturierte Gesprächsführung, insbesondere bei komplexeren Themen.
  • Unterstützung neuer oder weniger erfahrener Mitarbeitender für eine kürzere Einarbeitungszeit.
  • Automatische Kategorisierung von Anfragen als Basis für spätere Auswertungen.

Reality Check:

  • Der Agent ist eine Unterstützung, kein Ersatz für Fachwissen.
  • Ohne Schulung besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende Vorschläge „ablesen“ statt sie zu verstehen.
  • Technische Rahmenbedingungen (Lizenzen, Token, Systemverfügbarkeit) müssen berücksichtigt werden.

Richtig eingeführt ist der Intent Agent ein wertvolles Werkzeug, aber nur im Zusammenspiel mit klaren Prozessen.

2. Case Management Agent: Automatisierte Case-Erstellung

Der Case Management Agent übernimmt das, was im Alltag oftmals zu kurz kommt: Er erstellt automatisch einen Case, sobald definierte Informationen aus einem Gespräch oder Chat vorliegen.

Technisch passiert Folgendes:

  • Gespräch startet.
  • Mindestinformationen (z. B. Kunde, Kontext) sind vorhanden.
  • Der Case wird automatisch angelegt und zusammengefasst.
  • Optional wird er nach Gesprächsende nochmals aktualisiert.

Praxisnutzen:

  • Keine manuelle Case-Erstellung mehr.
  • Vollständige Erfassung auch kurzer oder einfacher Anfragen.
  • Höhere Datenqualität in der Serviceauswertung.

Reality Check:

  • Besonders sinnvoll in Kombination mit einem vorgelagerten Bot.
  • Ohne klare Prozessdefinition kann unnötige Case-Erstellung entstehen.
  • Automatisches Schließen vom Case ist nicht vollständig autonom steuerbar.

Der Case Management Agent ist vor allem ein Instrument zur Standardisierung und Datenqualität, weniger ein strategischer Transformationshebel.

3. Knowledge Management Agent: Automatischer Wissensaufbau?

Der Knowledge Management Agent erstellt nach Abschluss eines Cases automatisch einen Entwurf für einen Wissensartikel, wenn die KI ein neues oder ungewöhnliches Thema erkennt.

Technisch passiert Folgendes:

  • Case wird abgeschlossen.
  • KI prüft, ob das Thema neu ist.
  • Ein Wissensartikel-Entwurf wird generiert.
  • Optional erfolgt eine manuelle Freigabe.

Praxisnutzen:

  • Die KI erkennt neue / ungewöhnliche Themen zuverlässig.
  • Entwürfe werden automatisch vorgeschlagen.
  • Die initiale Artikelerstellung durch KI spart Zeit.

Reality Check:

In der Praxis zeigt sich

  • Die Logik, wann ein Artikel vorgeschlagen wird, ist nicht immer transparent.
  • Es ist nicht ersichtlich, warum in manchen Fällen kein Vorschlag erfolgt.
  • Eine vollständig strukturierte Wissensdatenbank entsteht nicht automatisch.

Der Agent kann helfen, Lücken zu reduzieren, ersetzt jedoch keinen klar definierten Kuratierungsprozess.

Technische Rahmenbedingungen nicht unterschätzen

Die Kosten für Copilot-Funktionen hängen oft davon ab, wie intensiv die Funktionen genutzt werden. Nutzung, Budgetierung und Monitoring sollten daher von Beginn an mitgedacht werden.

Fazit

Auflistung der 3 KI-Agents in Microsoft Dynamics Customer Sertice: Customer Intent-, Case Management-, Knowledge Management-Agent

KI-gestütztes Wissensmanagement in Microsoft Dynamics Customer Service bietet heute leistungsfähige Werkzeuge:

  • strukturierte Gesprächsunterstützung
  • automatisierte Case-Erstellung
  • teilautomatisierten Wissensaufbau

Was jedoch nicht automatisch entsteht, sind klare Prozesse, saubere Datenstrukturen und organisatorische Verantwortung. Die Technologie ist verfügbar. Entscheidend ist, wie sie konzipiert, konfiguriert und eingeführt wird und ob sie als integraler Bestandteil des Serviceprozesses verstanden wird.

Noch mehr Infos live und in Farbe: Anton Malischew und Stefan Elsigan präsentieren in unserem nächsten Webinar praxisnah, wie die drei KI-Agenten im Livebetrieb performen und beantworten direkt Ihre Fragen. Über 300 Teilnehmer*innen haben sich bereits zu unseren letzten Webinaren angemeldet. Sind Sie bei diesem Webinar auch dabei? Hier geht es zur Anmeldung!

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